Der unvermeidliche Krieg : Die Türkei gegen die YPG

Der unvermeidliche Krieg : Die Türkei gegen die YPG

Was sich lange Zeit aufgestaut hatte, scheint sich nun leider in einem echten Krieg zu entladen: Die angespannte Situation zwischen der Türkei auf der einen und der kurdischen YPG auf der anderen Seite. Letztere existiert als politische Partei schon seit einigen Jahren und hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Interessen der Kurden in Syrien zu vertreten. Im Zuge des Bürgerkrieges in diesem Land konnte der bewaffnete Arm der Partei dann sogar weite Teile des Landes erobern. Der Türkei war dies von Beginn an ein Dorn im Auge. So sieht die Regierung von Recep Tayip Erdogan die YPG als syrischen Ableger der verbotenenTerror-Organisation PKK an.

Es begann als Luftangriffe und soll nun auch am Boden erfolgen: Die Vertreibung von YPG-Einheiten aus den türkischen Grenzregion. Was als „Operation Olivenzweig“ bekannt wurde, soll am Ende auch dazu dienen, syrischen Flüchtlingen den Weg zurück in die Heimat zu ebnen. Neben regulären türkischen Armee-Einheiten kämpfen auf der Seite der Türkei allerdings auch islamistische Terror-Gruppen. Sie alle vereinigen sich unter dem Deckmantel der sogenannten „Freien Syrischen Armee“, wobei diese de facto auf dem Schlachtfeld nicht mehr existent ist. Übrigens bekämpfen sich bei dieser Schlacht zwei Verbündete des Westens und der USA. Während die Türkei schon seit vielen Jahren Mitglied der Nato ist, wurde die YPG bis zuletzt mit amerikanischen Waffen unterstützt.

Ohne Zweifel wird vieles davon abhängen, auf welche Seite sich die Großmächte in diesem Konflikt schlagen werden. Neben den USA ist vor allem Russland in den Syrischen Bürgerkrieg involviert und gilt hier als sekundärer Verbündeter der YPG. Gerüchten zufolge sind sogar russische Einheiten auf dem Gebiet des Kantons Afrin, in welchem die Kämpfe stattfinden, stationiert. Vielleicht sind Verhandlungen der Weg, um die Situation zu entschärfen. Allerdings hat der türkische Präsident bei Auftritten bereits mehrfach deutlich gemacht, keinen Millimeter von seiner Position abzuweichen.

Warum aber hat sich die Türkei überhaupt für diese Aktion entschieden? Tatsache ist, dass sich die YPG ideologisch mit der verbotenen PKK vereint sieht. Beide Gruppen verehren Abdullah Öcalan und kämpfen für einen sozialistischen Kurdenstaat. Schon früh hat die Türkei klargemacht, dass sie die Präsenz dieser Truppen in unmittelbarer Grenznähe nicht akzeptieren wird. Bislang hatten die westlichen Verbündeten die YPG allerdings als Schutzschild gegenüber den IS angesehen. Da dieser nun weitgehend aus der Region vertrieben ist, kam für die Türkei das YPG-Problem erneut auf. Es ist jedoch anzunehmen, dass auch die YPG das Schlachtfeld nicht kampflos räumen wird.